Wenn ich auf meine eigenen Stylingsünden zurückschaue (die ich mit 16 oder 17, vielleicht auch noch mit 20 Jahren begangen habe), dann kann ich ganz locker sagen: Wer seinen ganz persönlichen Stil gefunden hat, wird wohl auch das ein oder andere Mal, pardon, ins Klo gegriffen haben.

Mode ist Ausdruck unserer Gefühle und unserer Sehnsüchte. Und sie ist eine Art, unseren Lifestyle zur Schau zu stellen. Mit Hilfe der Mode können wir ganz laut sagen: „Hier bin ich!“. Oder wir äußern Zurückhaltung, indem wir uns eher schlicht und mit Understatement kleiden.

In meiner aktiven Mode-Findungsphase war ich bestrebt, mich auszuprobieren und Farben und Stile miteinander zu mixen. Dabei habe ich vermutlich auch immer wieder mal zu eher unvorteilhafter Kleidung gegriffen. Und natürlich wäre das Programm ohne wechselnde Haarfarben nicht vollständig gewesen! Im Laufe der Zeit habe ich immer genauer herausgefunden, was mir wirklich steht, in welcher Kleidung ich mich wohl fühle und welcher Stylingtyp ich überhaupt bin.

Immer wieder fragen mich Kund*innen: „Frau Hofmann, welcher Stylingtyp bin ich?“ Meine Gegenfrage lautet grundsätzlich: „In welchen Sachen fühlen Sie sich denn am wohlsten und am sichersten?“ Oder auch: „Was gefällt Ihnen an anderen gut?“ Oder schließlich: „Was würden Sie denn gerne einmal ausprobieren?“

Überraschen Sie sich selbst und Ihr Umfeld! Durch Mode haben wir die Chance, uns immer wieder neu zu erfinden.Mode kann polarisieren und provozieren, sie muss es aber nicht. Mit jedem Outfit entscheiden wir neu, was wir unserer Umwelt mitteilen möchten. Deshalb: Haben Sie einfach Spaß daran und bleiben Sie erfrischend!

Wenn Sie der klassische Jeanstyp sind, könnten Sie es einmal mit einer klassischen Colette-Hose versuchen: Sie ist schön weit, ähnelt einem Rock und unterstreicht Ihre feminine Seite. (Wenn sie die denn unterstreichen möchten.)

Für mich bedeuten Mode und stilvolle Kleidung Respekt mir selbst gegenüber. Gleichzeitig zolle ich auch meinem Gegenüber Respekt, indem ich mich angemessen kleide. Übrigens lautet mein Motto ganz einfach: „Lieber overdressed. Immer!“

Kürzlich habe ich einen Artikel in der Instyle gelesen – immer wieder werden hier Frauen vorgestellt, die das Modebusiness revolutionieren. Aktuell ging es um eine junge Designerin aus England und ihre Ansicht, Frauen sollten sich auch zu Hause öfter mal richtig aufbrezeln. Wenn Sie mich fragen: Sie hat absolut recht! JA. Unbedingt! Ich weiß, ich weiß – wir alle lieben es, in einer Jogginghose zu Hause auch einfach mal abzuhängen. Aber wie sensationell ist es denn bitteschön, sich für den Samstagabend zu Hause richtig aufzubrezeln? I love it!

Wenn ich schlechte Laune habe, nehme ich mir meistens Zeit nur für mich und hübsche mich auf. Anschließend fühle ich mich grundsätzlich besser, mein Gute-Laune-Level steigt sofort. Aber – ich gestehe – extra für zu Hause hübsch gemacht habe ich mich noch nie. Das wird sich ab sofort ändern. Schließlich gibt es endlich gibt es auch Pyjamas, die alltagstauglich sind und die sich lässig mit Highheels zu Hause tragen lassen. Keinen Tragekomfort einbüßen und trotzdem schick sein – top!

Ich vergleiche Mode gerne mit einem guten Essen. Ja: Das genial-tolle Essen (das wir entweder selbst zubereitet oder selbst gekauft haben) schmeckt auch an einem Tisch, der nicht ausnehmend schön gestaltet ist. Aber macht ein tolles Essen an einem festlich gedeckten Tisch nicht einfach NOCH mehr Spaß? Und genauso verhält es sich mit qualitativ hochwertiger Kleidung. Klar müssen wir uns nicht ständig aufbrezeln und hübsch machen – aber in diesen unbeständigen Zeiten macht es umso mehr Spaß, den Anblick von Menschen zu genießen, die an ihrer Kleidung Freude haben und mit ihr und mit ihrer Umwelt spielen.

Jüngst gestand mir eine – sehr stylishe – Kundin, sie habe Hemmungen, ihre Hüte zu tragen- Schließlich sei das in Freiburg nicht üblich. Ich dachte: Wie bitte? Das geht ja nun gar nicht! Für mich gilt: Selbstverständlich ziehe ich Hüte und Kopfschmuck auf… auch wenn die Häme mitunter inklusive ist. So sagte eine Bekannte einmal zu mir: „So zurecht gemacht wie du war ich nicht mal bei meiner eigenen Hochzeit.“ Klar, ich trage auch an ganz normalen Tagen Brautschmuck. Wer gibt diesen Haarteilen denn auch den Namen „Brautschmuck“? Ich nicht. Also darf ich sie tragen, wann immer ich möchte.

Wobei… an meiner Beeinflussbarkeit durch meine Umwelt werde ich noch ein bisschen arbeiten. Jüngst hörte ich von meinem Mann den Satz: „Meinst du das ernst mit der Jogginghose? Die kannst du doch nicht in deinen Laden anziehen.“ Ich hatte mir einen coolen Look überlegt und fand mich echt klasse – und dann kam er. Gut, ich habe mich wieder umgezogen – aber nicht, ohne mir fest vorzunehmen, die Jogginghose bald wieder in Angriff zu nehmen. Es wird mir doch wohl noch gelingen, sie cool und lässig zu stylen und zugleich alltagstauglich zu gestalten!

Da fällt mir gerade eine kleine Episode ein, die ich vor zwei Jahren am Flughafen in einer spanischen Stadt erlebte. Wir mussten ein wenig warten, ich nutzte die Zeit, um shoppen zu gehen und war zutiefst beeindruckt von den Spanierinnen, die in jeder Altersklasse mit viel Stil aufwarten. Schicke Damen über 70 mit einem Stilgefühl, das mich staunen ließ. Schuhe, Tasche, Make-up und Haare: Alles lässig und genau so, als wäre es überhaupt keine Kraftanstrengung. (By the way: Warum ist das eigentlich so? Warum sind Italienerinnen oder Spanierinnen ganz anders mit Mode verwurzelt? Und was können wir von diesen Frauen lernen?)

Auch wenn ich beruflich in größeren Städten unterwegs bin, sehe ich häufig wirklich hippe, stylishe Frauen. Ganz besonders liebe ich es, im Café zu sitzen und mir anzuschauen, wie unterschiedlich Männer und Frauen sich stylen (der eine oder andere Lacher ist da auch schon mal inklusive). In stillen Momenten frage ich mich auch, wann und warum ich eigentlich angefangen habe, roten Lippenstift zu tragen. Tatsächlich weiß ich es nicht mehr. Ich sehe einfach Frisuren, die mich inspirieren, und Kleidung die ich cool finde. Und es ist klasse, wie Menschen sich damit auseinandersetzen, wie sie nach außen wirken. (Oder eben auch nicht – und wie Kleidung ihnen völlig schnuppe zu sein scheint.) Auf jeden Fall liebe liiebe liiiebe ich es, Menschen zu beobachten und mich von ihnen einnehmen zu lassen.

Ich bin überzeugt davon, dass unser Styling und unsere Kleidung das widerspiegeln, was in uns vorgeht. Dass wir mit unserer Kleidung bewusst oder unbewusst ausdrücken, wer wir sind. Kennen wir nicht alle die Tage, an denen man in den Kleiderschrank greift und souverän ein Teil herauszieht? Und dann gibt es auch wieder Tage, an denen man sich zehnmal umzieht und zu keinem Ergebnis kommt.

Ist unsere Stimmung am Tiefpunkt, drücken wir das mit unserer Kleidung aus. Und genau die Chance, sich mit Kleidung jeden Tag neu zu erfinden, ist das, was es für mich so reizvoll macht: Mit meiner Kleidung kann ich heute die eine Person sein und morgen jemand anderes. Jahrelang habe ich einen strengen Dutt getragen. Heute trage ich meine Haare meist offen, entweder mit einem Haarreif oder ohne. (Oder mit, ähem, Brautschmuck.) Aber immer lockig. Und wissen Sie was? Ich liebe diese Veränderung – und ich freue mich, wenn Menschen sie wahrnehmen.

Jetzt aber nochmal schnell zum Thema zurück: Was sagt uns Mode, wie kann sie unser Leben beeinflussen und verändern? Indem wir ihren Einfluss einfach zulassen, offen für Neues sind und uns an ihr erfreuen! Indem wir sie feiern. Indem wir unsere Meinung revidieren und gern auch mal herzlich über uns lachen, wenn wir voll ins Klo gegriffen haben. Mode bedeutet für mich: Ausdruck und Liebe zu mir selbst. Und, ehrlich gesagt, bin ich heute schon gespannt, ob ich in zehn Jahren über meine heutigen Stylingsünden lachen und mich gleichzeitig an dem Wandel, den das Leben und die Mode bringen, erfreuen werde.

In diesem Sinne: viel Spaß an der Mode… feiert sie jeden Tag, mit viel Liebe und Begeisterung! Und falls ihr keine Ahnung haben solltet, wie ihr das Thema für Euch angehen sollt, dann sucht euch einfach professionelle Hilfe in Form einer Stylingberatung, auf Instagram oder in einem Magazin. Ich wünsche euch jedenfalls GANZ viel Freude. Let‘s rock it, girls.

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Stolze Mama. Meine Familie und mein Beruf, ist mir das wichtigste. Ohne beides wäre ich wahrscheinlich kein vollwertiger Mensch.
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